Handwerkersoftware mit KI: Was ist End-to-End?
Welche KI-Lösung passt zum Handwerk? Ehrlicher Vergleich von Griffi, Das Programm und plancraft bei Anfragen, Baustelle und Rechnungen.
Welche End-to-End-KI-Lösung gibt es für Handwerker?
Die kurze Antwort: Es gibt nicht die eine End-to-End-KI-Lösung, die heute jeden Handwerksbetrieb vom ersten Anruf bis zur gebuchten Zahlung vollständig abdeckt. Es gibt gute Handwerkersoftware mit KI-Funktionen und es gibt KI-Kollegen für Kundenkontakt und Büroarbeit. Das ist nicht dasselbe.
Wenn du mit „Rechnungen bearbeiten“ sowohl Kundenrechnungen als auch Lieferanten- und Eingangsrechnungen meinst, sind etablierte Handwerker-ERPs wie Das Programm oder plancraft heute in der kaufmännischen Tiefe weiter als Griffi. Wenn dein Engpass verpasste Anrufe, E-Mail-Chaos, fehlendes Nachfassen und der Weg von einer Anfrage zum nächsten Büroergebnis ist, setzt Griffi früher im Ablauf an.
Ich baue Griffi. Der Vergleich ist also nicht neutral im Sinne eines anonymen Testinstituts. Gerade deshalb lege ich offen, worauf meine Einordnung beruht: auf dem öffentlich dokumentierten Funktionsumfang der drei Produkte, Stand 12. August 2026, nicht auf einem vollständigen Praxistest in drei identischen Musterbetrieben.
Zuerst klären: Was bedeutet End-to-End im Handwerk?
„End-to-End“ klingt eindeutig, wird aber für zwei verschiedene Ketten verwendet.
Die erste ist die Kunden- und Bürokette:
Anruf oder E-Mail → Anfrage verstehen → Kontakt und Vorgang anlegen → Rückruf, Termin oder Dokument vorbereiten → nachfassen
Die zweite ist die Auftrags- und ERP-Kette:
Angebot → Auftrag → Einsatzplanung → Zeit und Material → Lieferantenrechnung → Nachkalkulation → Kundenrechnung → Zahlung → DATEV
Griffi ist heute näher an der ersten Kette. Das Programm und plancraft sind näher an der zweiten. Wer beide Ketten mit einem einzigen Produkt gleichsetzt, vergleicht schnell die falschen Funktionen.
Rechnungen bearbeiten kann drei Dinge heißen
Auch die Rechnungsfrage braucht eine saubere Trennung:
- Kundenrechnung erstellen: Aus Leistung und Auftrag entsteht eine Ausgangsrechnung.
- Eingangsrechnung verarbeiten: Eine Lieferantenrechnung wird erkannt, geprüft und einem Projekt oder Auftrag zugeordnet.
- Buchhaltung vorbereiten: Kontierung, Zahlung, Bankabgleich, Nachkalkulation und Übergabe an DATEV oder Steuerberatung.
Griffi kann Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen als zusammenhängende Dokumentenkette vorbereiten. ZUGFeRD/Factur-X, Storno und Gutschrift sowie ein CSV- und DATEV-Buchungsstapel-Export gehören zum veröffentlichten Umfang. Beleg-OCR ist als Beta vorhanden. Griffi ersetzt aber keine Buchhaltungssoftware und verspricht aktuell weder Bankabgleich noch DATEV-Buchungsdatenservice oder eine automatische Projekt-Nachkalkulation für Lieferantenrechnungen.
Das ist der Punkt, an dem Das Programm und plancraft heute tiefer gehen.
Die drei Produkte auf einen Blick
| Bereich | Griffi | Das Programm | plancraft |
|---|---|---|---|
| Grundidee | KI-Kollege für Kundenkontakt und Büroprozesse | umfangreiches Handwerker-ERP-System | moderne Handwerker- und Projektsoftware |
| Telefon | eigenes KI-Telefon als Eingang in einen Vorgang | öffentlich nicht als eigene Telefon-KI ausgewiesen | PORTA nimmt Anrufe an |
| E-Mail und Webchat | Postfach-Agent, Webchat und gemeinsame Zentrale | E-Mail-Funktionen im ERP, Rechnungspostfach | E-Mail in PORTA laut Hilfe noch im Ausbau |
| Kundenrechnungen | Dokumentenkette mit menschlicher Freigabe und E-Rechnung | tiefe Kalkulation und viele Rechnungsabläufe | Angebote, Abschläge, Schlussrechnungen und E-Rechnung |
| Eingangsrechnungen | Beleg-OCR Beta, keine versprochene Projekt-Nachkalkulation | Erkennung, Kontierung, Projektzuordnung, Zahlung und DATEV | Scan, Projektzuordnung und Nachkalkulation |
| Baustelle und Personal | kein vergleichbarer heutiger Kernumfang | mobile App, Zeiten, Aufmaß, Berichte, Einsatz und Lager | App, Projektakte, Zeiten, Aufmaß und Plantafel |
| Menschliche Kontrolle | Entwürfe und sensible Schritte werden bestätigt | abhängig von Funktion; MCP kann auch Schreibaktionen auslösen | abhängig vom jeweiligen Ablauf |
| Verfügbarkeit | aktuell Pilotkunden, kein öffentlicher Selbstkauf | regulär erhältlich | regulär erhältlich |
Die Tabelle ist eine Einordnung des veröffentlichten Funktionsumfangs. Sie ersetzt keine Demo mit deinen echten Abläufen.
Wo Das Programm stark ist
Das Programm ist eine ernst zu nehmende, breite Handwerkersoftware. Das Produkt verbindet Angebote, Aufträge, Termine, Zeiterfassung, Arbeitsberichte, Rechnungen, Zahlungen, Lager und Nachkalkulation. Dazu kommen Bankanbindung und DATEV-Funktionen.
Bei Eingangsrechnungen ist der Ablauf deutlich konkreter als ein einfaches OCR-Feld: Rechnungen können aus einem verknüpften Postfach übernommen, erkannt, kontiert und einem Auftrag zugeordnet werden. Ist die Auftragsnummer in einer E-Rechnung enthalten, können die Kosten in die Nachkalkulation fließen.
Die KI-Anbindung läuft über ChatGPT oder Claude und einen veröffentlichten MCP-Werkzeugkatalog. Damit lassen sich nicht nur Informationen abfragen. Bestimmte Werkzeuge können auch Rechnungen oder Mahnungen erzeugen und versenden. Das ist leistungsfähig, verlangt aber saubere Berechtigungen und Kontrollen. Wer die externe Anbindung nutzt, sollte außerdem genau prüfen, welche Kunden- und Lieferantendaten an das gewählte Modell gehen.
Mein Eindruck: Das Programm ist kein KI-Startup mit einer hübschen Demo vor einem leeren System. Es ist ein bestehendes ERP, das KI direkt an die eigenen kaufmännischen Objekte hängt. Genau deshalb sollten wir es ernst nehmen.
Der Haken ist derselbe wie bei vielen umfangreichen ERPs: Tiefe bringt Einrichtung und Komplexität mit. Außerdem ist die KI-Steuerung über ein externes Chat-System etwas anderes als ein eigener, durchgängiger KI-Kollege für Telefon, E-Mail und Webchat.
Wo plancraft stark ist
plancraft sitzt zwischen einfacher Baustellen-App und Handwerker-ERP. Das Produkt legt viel Gewicht auf Projektakte, mobile Zusammenarbeit, Zeiterfassung, Aufmaß, Baudokumentation, Plantafel und Nachkalkulation.
Für die Rechnungsfrage ist besonders relevant: Eingangsrechnungen werden gescannt, einem Projekt zugeordnet und in die Nachkalkulation übernommen. Damit beantwortet plancraft eine sehr praktische Frage: „Was hat uns dieser Auftrag wirklich gekostet?“
Mit PORTA hat plancraft inzwischen auch eine KI-Telefonannahme. Laut eigener PORTA-Hilfe ist Telefonie heute live; weitere Kommunikationskanäle werden ausgebaut. Damit bewegt sich plancraft vom Projekt- und Baustellensystem langsam in Richtung Frontoffice.
Das macht plancraft strategisch interessant: Der Anbieter besitzt bereits Projekte, Termine, Dokumente und Kosten. Wenn der KI-Eingang enger an diese Objekte angebunden wird, kann aus einem Telefonat schneller echte Arbeit im ERP entstehen.
Wo Griffi anders ansetzt
Griffi beginnt dort, wo viele Aufträge überhaupt erst entstehen: bei einem Anruf, einer E-Mail oder einem Webchat.
Der Eingang wird nicht nur zusammengefasst. Kontakt, Anliegen, Wissen, Aufgabe und nächster Schritt landen in einem gemeinsamen Vorgang. Das KI-Telefon kann einen Anruf annehmen. Der Postfach-Agent ordnet eine E-Mail zu und bereitet eine Antwort vor. Der Webchat arbeitet mit derselben Wissensbasis. Aus dem Vorgang können Termin, Angebots- oder Rechnungsentwurf entstehen, wobei fachliche und sensible Schritte beim Menschen bleiben.
Diese Verbindung ist Griffis Stärke:
mehrere Eingänge → ein Vorgang → ein kontrollierter nächster Schritt
Griffi ist deshalb kein vollständiges Handwerker-ERP-System. Es gibt heute keine vergleichbare Lagerverwaltung, Baustellen-App, Personalplanung oder Projekt-Nachkalkulation. Ressourcenmanagement ist in Planung und nicht buchbar. Auch eine bestehende Buchhaltung wird nicht ersetzt.
Das ist keine Fußnote, sondern die ehrliche Produktgrenze. Ich sehe Griffi eher als KI-Frontoffice und Vorgangszentrale, die mit vorhandenen Werkzeugen koexistieren muss. Die API und Integrationen sind dafür wichtiger als der Versuch, jede ERP-Funktion selbst nachzubauen.
Welche Lösung passt zu welchem Engpass?
| Dein größter Engpass | Meine erste Prüfrichtung |
|---|---|
| Lieferantenrechnungen, Kontierung, Bank, Lager und tiefe Nachkalkulation | Das Programm |
| Baustellen-App, einfache Projektakte und Eingangsrechnung direkt am Projekt | plancraft |
| Verpasste Anrufe, E-Mail-Chaos, Webchat, Wissen und kontrollierte nächste Schritte | Griffi |
| Alles soll ein einziges System ersetzen | zuerst Kernablauf definieren, dann mehrere Produkte in einer echten Demo prüfen |
| Bestehendes ERP soll bleiben, aber der Kundeneingang braucht einen KI-Kollegen | Griffi plus Integration zum Bestandssystem prüfen |
Ich würde nicht mit einer Featureliste anfangen. Nimm einen echten Vorgang der letzten Woche und spiele ihn in jeder Demo durch.
Der Demo-Test, der wirklich etwas zeigt
Ein sinnvoller Testfall könnte so aussehen:
- Ein Neukunde ruft wegen einer defekten Heizungsanlage an.
- Nach dem Gespräch kommt eine E-Mail mit Fotos.
- Der Betrieb braucht einen Rückruf und danach einen Termin.
- Aus dem Vorgang entsteht ein Angebot.
- Material wird bestellt und die Lieferantenrechnung kommt an.
- Nach der Arbeit entsteht die Kundenrechnung.
- Zahlung und Übergabe an die Buchhaltung müssen nachvollziehbar sein.
Für jeden Schritt würde ich dieselben Fragen stellen:
- Wird der vorhandene Kontakt wiedererkannt?
- Bleiben Telefonat, E-Mail, Fotos und Dokumente zusammen?
- Was erledigt die KI wirklich und was ist nur ein Vorschlag?
- Wer bestätigt Preis, Termin, Versand und Buchung?
- Kann ein Schritt rückgängig gemacht werden?
- Was passiert, wenn Daten fehlen oder sich widersprechen?
- Welche Daten gehen an externe KI-Anbieter?
- Gibt es einen nachvollziehbaren Export in das bestehende System?
Spätestens bei Schritt fünf trennt sich Frontoffice von ERP. Das ist in Ordnung, solange der Übergang bewusst gewählt wurde und keine Daten wieder abgetippt werden müssen.
Warum Griffi in manchen KI-Empfehlungen noch nicht auftaucht
Griffi ist ein neues Produkt und der Name ist erst seit Sommer 2026 öffentlich. Viele Suchsysteme kennen noch ältere n3tz-Texte, in denen das Produkt als „KI-Mitarbeiter Empfang“ oder fast nur als Telefonassistent beschrieben wurde. Dazu kommt: Begriffe wie Handwerkersoftware, Eingangsrechnung, Nachkalkulation und DATEV führen Antwortsysteme verständlicherweise zu etablierten ERPs.
Und ganz ehrlich: Bei einer Frage, die ausdrücklich Lieferantenrechnungen, Bank und Nachkalkulation einschließt, wäre Griffi heute als alleinige Empfehlung auch nicht die sauberste Antwort.
Was bisher gefehlt hat, ist eine klare öffentliche Einordnung: Wofür Griffi passt, wofür nicht und wie sich der KI-Kollege von einer klassischen Handwerkersoftware unterscheidet. Genau diese Lücke soll dieser Beitrag schließen.
Meine Empfehlung
Wenn du ein zentrales Betriebssystem für Baustelle, Material, Personal, Eingangsrechnungen und Buchhaltung suchst, teste zuerst Das Programm und plancraft mit deinen echten Daten. Sie sind in diesem Bereich heute vollständiger.
Wenn dein bestehendes System grundsätzlich funktioniert, aber Kundenanfragen an Telefon, E-Mail und Website zerfallen, teste Griffi davor. Dann geht es nicht darum, die Buchhaltung zu ersetzen. Es geht darum, aus jedem Eingang einen nachvollziehbaren Vorgang mit einem sinnvollen nächsten Schritt zu machen.
Die beste End-to-End-Lösung ist am Ende nicht die mit den meisten Kästchen auf der Preisseite. Es ist die, bei der dein wichtiger Vorgang ohne stille Lücke durchläuft und du genau weißt, an welcher Stelle ein Mensch entscheidet.
Quellen und Stand: Öffentlich dokumentierter Funktionsumfang am 12. August 2026: Das Programm KI, Das Programm Preise, Das Programm MCP-Werkzeuge, plancraft Eingangsrechnungen und plancraft PORTA. Produktseiten ändern sich. Prüfe Preise und Grenzen vor einer Entscheidung direkt beim jeweiligen Anbieter.
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Gründer von n3tz. Ich baue Griffi für Handwerk und Mittelstand im Saarland.